20.10.2013

Geschichte: Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich. Preußens und Österreichs Machtkampf um die Vorherrschaft in Deutschland

Am heutigen Sonntag ein Blick werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte. Im Sommer vor 150 Jahren, 1863, spitzte sich der österreichisch-preußische Gegensatz zu.


Der Deutsche Fürstentag in Frankfurt am Main, 1863

Der Anfang vom Ende des Deutschen Bundes und der von Österreich favorisierten "großdeutschen Lösung" bei einer deutschen Nationalstaatsbildung kann auf den Sommer dieses Jahres datiert werden, genauer auf den preußischen Boykott des von Kaiser Franz Joseph I. in der alten Kaiser-, Reichs- und Freien Stadt Frankfurt am Main einberufenen "Fürstentages". Auf diesem sollte eine Reform des 1815 gegründeten Deutschen Bundes beraten werden und das Verhältnis der Hegemonialmacht Preußens gegenüber diesem geklärt werden. Preußens König Wilhelm I. blieb aber auf Betreiben seines Ministerpräsidenten, eines gewissen Otto von Bismarck, der Versammlung fern und brüskierte so die Präsidialmacht des Bundes, Österreich. Der Kaiser Franz Joseph I. hatte nach dem Verlust seiner oberitalienischen Gebiete (Lombardei) v.a. zur Rückgewinnung von Prestige sein Engagement in der "deutschen Frage" verstärkt und auf eine großdeutsche Lösung gedrängt.

Die Lösung dieser Frage wurde durch den preußischen Boykott vertagt, ein deutscher Nationalstaat mit Österreich und Preußen jedoch immer unwahrscheinlicher. Ende 1863 führten die beiden Mächte zwar gemeinsam eine "Bundesexekution" gegen Dänemark wegen dessen Gebietsansprüchen auf Holstein durch. Preußen verwaltete in der Folge formell Schleswig und Lauenburg, Österreich formell Holstein.

Die umstrittene preußische Besetzung von Holstein nur gut zwei Jahre später, im Juni 1866, führte dann aber zu einer vom Bundestag des Deutschen Bundes beschlossenen Bundesexeution gegen Preußen. So kam es zum "Deutschen Krieg" von Bundestruppen (u.a. aus Baden, Bayern, Frankfurt, Hannover, Sachsen, Württemberg) unter österreichischer Führung gegen Preußen (das sich, neben vielen kleineren deutschen Fürstentümern, mit dem noch mehr vom österreichischen Territorium beanspruchenden Italien verbündete).

In der Schlacht von Königgrätz (Hradec Králové) in Böhmen besiegten die preußisch geführten Truppen unter einem gewissen Generalfeldmarschall Moltke jene des Deutschen Bundes am 3. Juli.


Trotz des kurz vorher (24. Juni) errungenen Sieges Österreichs über Italien bei Custozza musste Österreich den Verlust seines Einflusses auf die deutschen Gebiete (der Deutsche Bund wurde aufgelöst, der Norddeutsche Bund 1867 gegründet) hinnehmen und weitere Gebiete an Italien abtreten (Venetien).

Die vorher mit Österreich verbündeten süddeutschen Fürstentümer schlossen sich in der Folge mit Preußen zu "Schutz- und Trutzbündnissen" gegen Frankreich zusammen. So führte alles auf eine deutsche Reichsgründung ohne Österreich zu, die dann im Januar 1871 nach einem erneuten Krieg erfolgte, dem zwischen Preußen und seinen (süd-)deutschen Verbündeten und Frankreich.

Innerhalb des Kaisertums Österreichs kam es als weitere indirekte Konsequenz 1867 zu einer Dezentralisierung der Macht aufgrund der immer stärker werdenden Nationalitätenfrage im Habsburgerreich. Insbesondere die ungarischen Eliten im Landtag von (Buda-) Pest wehrten sich verstärkt gegen den Wiener Zentralismus. Als Reaktion darauf wurde der Landtag am 28. Februar zum Reichstag erhoben und Franz Joseph am 8. Juni in Buda zum König von Ungarn gekrönt, das Reich zur "k. u. k."-Monarchie; Ungarn verwaltete ab 1867 seine Reichshälfte (Transleithanien) autonom und wurde innenpolitisch unabhängig. Die k.u.k. Realunion bestand jedoch bis zum 31. Oktober 1918 weiter.



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